UNGESUNDE BEZIEHUNGEN LOSLASSEN

Loslassen Beziehungen

Ich war mal ein Mensch, der viel mit sich machen hat lassen. Ich hatte nicht den Mumm dazu, mich von ungesunden Beziehungen zu lösen. Ich hatte einfach zu sehr Angst davor, irgendwann allein dazustehen und anderen Menschen damit vor den Kopf zu stoßen. 

Ich hatte z.B. jahrelang eine Freundin, die beleidigt war, wenn ich nicht mit ihr durch die Clubs zog. Oder keine Lust hatte, meinen wohl verdienten Urlaub mit ihr in einem Animationshotel und einem Doppelzimmer zu verbringen. Wenn ich nur daran dachte, abzusagen, sprach sie kein Wort mehr mit mir. Nicht mal mehr ein „Hi“ war drinnen, wenn wir uns irgendwo zufällig begegneten. Sie wies mich gnadenlos mit einer Ignoranz zurecht, die der sibirischen Kälte glich. Also beugte ich mich immer wieder um des Frieden willens ihren Plänen für meine Freizeit.

Ich hatte einen Freund ähnlichen Kalibers. Nur mit dem Unterschied, dass er statt mich zu ignorieren, aggressiv und fies wurde. Er hat mich nicht geschlagen, aber wenn es nicht nach seinem Kopf ging, wurde er handgreiflich oder nockte mich mit Aussagen -ganz tief unter der Gürtellinie- aus. Ohne Frage hatte er auch viele guten Eigenschaften. Eine der Besten war, ich konnte mit ihm lachen, bis der Arzt kam. Aber ich blieb nicht wegen den positiven Aspekten, oder weil ich ihn geliebt habe. Es war hauptsächlich aus Mitleid. Mit ihm, weil eine Trennung das Letzte war, was er wollte. Und mir, weil ich dann allein dagestanden wäre.

Verrückt oder? Aus jetziger Sicht, kann ich nur die Hände über den Kopf zusammen schlagen.

Bei mir gab es keinen bestimmten Auslöser, der mich dazu brachte, über meine Beziehungen und deren Sinnhaftigkeit nachzudenken. Ich wurde dem ganzen Wahnsinn einfach über die Zeit hinweg müde. Ich war es irgendwann leid, dieser einen Freundin alles recht zu machen. Ich wollte eine Freundschaft, in der ich nicht derart unter Druck gesetzt und einfach akzeptiert werden würde, wie ich nun mal bin. Und ich war davon müde, eine Beziehung mit einem Mann aufrechtzuerhalten, der sich nicht im Griff hatte und dem ständigen an mir selbst Zweifeln, ob ich an unseren Problemen schuld sei. Dass dem nicht immer so sein muss, wird in einem guten Artikel von Psychic.de erläutert.

Ich begriff allmählich, dass ich damit aufhören musste, mich selbst und mein eigenes Glück für andere zu opfern. Das ist ungesund. Wobei „ungesund“ zu harmlos ist, rauchen ist ungesund. Giftige Beziehungen zu führen ist mehr wie in Fukushima zu wohnen.

Tun wir etwas gern für jemanden, der uns am Herzen liegt, ist das ganz was anderes, als etwas aus Ängsten oder einem falschen Pflichtgefühl heraus zu machen. Mein Verstand wusste, dass ich mich von beiden lösen – und wieder etwas für mich selbst tun sollte.

Aber es zog sich wie ein Kaugummi. Es ist schwer, gewisse Menschen los zu lassen. Meist reicht schon eine schöne, gemeinsame Erinnerung oder gar nur ein banaler Gedanke, und wir halten weiter an ihnen fest. Was auch immer es ist, was uns dahin treibt – es spielt uns einen Streich. Denn unsere Seele weiß: Es wartet Besseres auf uns.

Solltest Du gerade darüber nachdenken, ob Du jemanden besser los lassen solltest, dann stell Dir diese Fragen:

Wie fühlst Du Dich mit diesem Menschen: Ausgelaugt oder lebendig?

Wünscht sich diese Person das Beste für Dich und handelt auch dementsprechend?

Stellt dieser Mensch Deine Belange und Deine Gefühle hinten an?

Macht dir diese Person Versprechungen, die sie nicht hält?

Wenn Du vor allem die letzten beiden Fragen mit einem Ja beantwortet hast, könnte es an der Zeit sein, von Fukushima weit weg aufs Land zu ziehen. Durchzuatmen und Platz zu schaffen, für etwas Gesundes. Für eine glückliche Beziehung. Für das Richtige?

Ich habe mich damals schuldig gefühlt. Der Gedanke los zu lassen, war für mich wie sie fallen zu lassen. Aber das stimmt nicht. Ich erspare uns jetzt mal die Leier von wegen „Tu es für Dich selbst.“, beleuchten wir es von einer anderen Seite: Wir tun auch ihnen damit einen Gefallen. Wir passen einfach nicht zusammen und geben ihnen dadurch die Möglichkeit, jemanden zu finden, mit dem sie harmonieren. Jemanden, bei dem sie nicht ausrasten und jemanden, der mit ihnen nonstop „Malle ist nur einmal im Jahr“ feiert.

Mir halfen dabei folgende Dinge:

 

Denk an die giftige Beziehung und schreib der Personen einen Brief. Du solltest darin schonungslos Dein Herz ausschütten. Nichts als die Wahrheit – denn niemand außer Dir wird ihn zu Gesicht bekommen.

Beende Deine Zeilen mit „Ich lasse dich jetzt gehen. Danke, dass du mir dabei geholfen hast zu lernen und zu wachsen.“ Danach kannst Du den Brief verbrennen, im Garten vergraben oder die Toilette runterspülen – wofür auch immer Du Dich entscheidest, dieses Ritual ist magisch. Ich hatte mich danach direkt etwas leichter und befreiter gefühlt.

 

Wenn wir jemanden loslassen wollen, ist es sehr hilfreich, unsere Umgebung von demjenigen zu „reinigen“. Unser Außen ist das Bild von allem, was wir in unserem Leben haben. Oder mitschleppen. Oder über uns ergehen lassen.

Das heißt: Trenne Dich von allem, was Dich an diese Person erinnert bzw. was Du von ihr geschenkt bekommen hast. Das kann sich unangenehm anfühlen und Dir werden zig Gründe einfallen, wieso Du diese Sachen lieber noch behalten solltest. Aber erinnere Dich daran: Diese Dinge loszulassen ist entscheidend dafür, auch den Menschen dahinter loslassen zu können.

 

Ich weiß, immer bekommst Du von mir zu hören: „Was willst du?“ und „Schreib es auf“. Und ich kann es nur immer und immer wieder sagen: Es hilft. Stell für Dich klar, wie Du Dich in Beziehungen mit anderen Menschen fühlen möchtest und schreib es auf.

Ich habe es auch gemacht, und das steht auf meiner Liste:

  • Ich möchte mich lebendig fühlen.
  • Ich möchte wirklich gemocht / geliebt werden.
  • Ich möchte akzeptiert werden und bestehe auf einen respektvollen Umgang.
  • Ich möchte viel lachen.
  • Ich möchte selbstbestimmt leben (dürfen).
  • Ich möchte unterstützt werden.
  • Ich möchte verstanden werden.
  • Ich möchte mich auf den anderen verlassen können.

 

Nachdem Du dich von ungesunden Beziehungen befreit hast, hast Du wieder viel mehr Zeit für …? Das entscheidest ganz alleine Du. Beschäftige Dich mit den Sachen, die Dir Spaß machen. Lass Dich von ihnen begeistern und erfüllen. Und während Du den für Dich wichtigen Dingen nachgehst, wirst Du auf die „richtigen“ Menschen treffen. Auf die, die Dich so mögen, wie Du bist.

Wenn uns das Festzuhalten mehr schadet als nützt – dann ist es an der Zeit, unsere Hand wegnehmen. Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu sich selbst.

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