WENN DU LIEBE WILLST, HÖR AUF ZU LÜGEN

Lügen Liebe glücklich

Ich war mal eine Lügnerin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass ich eine bin. Ich habe nicht bewusst gelogen, sondern mein ganzes Dasein war eine Lüge.

Lügen ist nicht nur etwas, das wir mit Worten tun können. Wir können mit unserem Handeln lügen. Wir können mit unserem Schweigen lügen. Wir können mit unserer Mitschuld lügen. Wir können damit lügen, indem wir vorgeben jemand zu sein, der wir nicht sind.

Ich war die Lüge.

Ich war lange Zeit meines Lebens verkleidet, aber das ist nicht auf einmal passiert. Ich habe mir nicht die Klamotten aus einem fremden Kleiderschrank geholt und bin damit auf die Straße gegangen – es geschah Stück für Stück. Jedes Mal, wenn ich etwas gesagt oder getan habe, das den Menschen um mich herum nicht gefallen hatte, habe ich mir ein imaginäres Kleidungsstück von jemand anderen angezogen, der liebenswert war.

Angefangen hatte es damit, dass ich mich „unsichtbar“ machte. Ich fühlte mich in meinem Elternhaus immer abgelehnt, und egal wie sehr ich mich anstrengte: Es war nie genug. Also hatte ich es irgendwann aufgegeben, ihnen zu gefallen. Aber anstatt zu sein, wer ich war, habe ich mich versteckt. Nicht wahrgenommen zu werden, erschien mir einfacher zu sein.

Volljährig und unabhängig zu sein, wäre meine Gelegenheit gewesen, aus meinem Schneckenhaus heraus zu kommen und mich selbst zu entdecken. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich wusste damals nicht, wie ich ich selbst sein konnte. Und so machte ich weiter damit, ich „trug“ von jedem, den ich kannte, etwas: die Meinung, die Redensart, den Geschmack, den Stil, die Träume usw. Aber der ganze Mischmasch, von dem ich damals dachte „das ist liebenswert“ brachte mich nur immer weiter weg von mir selbst. Mein wahres Ich war Mitte 20 so tief vergraben, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wer ich in Wirklichkeit war.

Ich hatte zwar Freunde, aber niemand kannte mich wirklich. Ich hatte mich selbst verloren und habe hinsichtlich dem gelogen, wer ich war. Und ich hätte mich damals auch nicht getraut, mich selbst zu suchen.

Denn wenn wir uns falsche Identitäten zulegen, können wir es nicht riskieren, dass sie zerbröseln wie Kekse – also lügen wir. Wir legen uns immer weitere Masken zu, und halten uns dadurch immer weiter von der Wahrheit fern. Wir wissen, wenn sich ein Ziegelstein löst, könnte alles zusammenbrechen. Alles, wofür wir so hart gearbeitet haben.

Entscheiden wir uns dazu zu leugnen, wer wir wirklich sind – lügen wir. Lügen ist eine Entscheidung, und wir schaden uns damit selbst. Und ganz oft auch anderen. Aber wir verheimlichen das gut vor uns. Auf unserer Suche nach Liebe würden wir alles dafür tun – und merken dabei nicht, dass wir unehrlich sind. Eine Entscheidung, die wir selbst getroffen haben.

Aber die Ironie daran ist: Liebe kann ohne Wahrheit nicht gedeihen. Wenn wir uns verzweifelt fragen „Was ist Liebe?“, sollten wir einen tiefen Atemzug nehmen und uns fragen: Wie ehrlich bin ich?

Kennst Du Dich selbst wirklich? Zeigst Du Dich so, wie Du bist? Machst Du dir Sorgen darüber, was andere über Dich denken? Würdest Du Dich verändern, um anderen zu gefallen?

Die Antworten zeigen uns, wie wohl wir uns mit uns selbst fühlen. Es ist in Ordnung zuzugeben, dass wir uns selbst nicht so gut kennen. Dass wir uns verstellen. Dass uns die Meinung anderer sehr wichtig ist. Und dass wir es in Kauf nehmen, uns für andere zu verändern. Dass wir uns um geliebt zu werden verändern würden.

Diese Hüllen fallen zu lassen, ist ein Teil vom Weg.

Wir müssen nicht mit aller Kraft Fassaden aufrecht erhalten. Wenn wir anderen erlauben zu sehen, wer wir wirklich sind und ihnen die Wahrheit zeigen – bekommen wir die Möglichkeit zu erfahren, was Liebe wirklich ist.

Die Menschen, die uns ebenfalls ihr Herz öffnen, schaffen dadurch einen fruchtbaren Boden, auf dem Liebe wachsen kann. Und Menschen, die mit unserem wahren Ich nicht zurecht kommen, werden ihren eigenen Weg gehen. Wir müssen sie ziehen lassen. Wir müssen mit uns selbst verbunden bleiben und zu anderen ehrlich sein.

Wir lügen, wenn wir Angst vor der Wahrheit haben. Wir lügen über uns selbst, weil wir denken, wir seien nicht liebenswürdig genug. Und wir wissen nicht, wie wir wieder zu Kräften kommen würden, wenn ein anderer unser wahres Ich ablehnen würde.

Zu Kräften kommen wir durch Selbstliebe, aber wir können uns nicht selbst lieben, wenn wir nicht wissen, wer wir sind. Wir können uns selbst nicht lieben, wenn wir alle Kraft dazu brauchen, einem anderen etwas vorzuspielen. Und andere Menschen können uns nicht lieben, wenn sie nicht wissen, wer wir sind.

Wenn wir also wissen wollen, was Liebe ist, müssen wir uns zeigen. Uns trauen, Zuckerwatte wie ein Nimmersatt auf einer Treppe sitzend zu essen. Die imaginären Kleidungsstücke und Masken wegwerfen. Wir müssen die ganze Energie loslassen, die es braucht, jemand anderes zu sein und sie darin investieren: Herauszufinden wer wir wirklich sind. Wir müssen uns selbst lieben und dann können wir zusehen, wie uns die Welt zurück liebt.

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2 comments

  1. Wow! Und diesen hier auch. Also „Gastposten“… meine ich!
    Ein klasse Beitrag! Offen, berührend und lehrreich… Außerdem stilistisch absolut ansprechend. Die richtige Länge… und ein Thema das fast jeden in der Tiefe trifft. Bin absolut begeistert und danke dir herzlich für die wunderbaren und wertvollen Anregungen.
    Herzlichen Gruß

    1. Oh Melanie, was freut mich das, wenn dir der Beitrag auch so gut gefällt. 🙂 Ich werde noch ganz rot bei deinen ganzen Komplimenten – vielen vielen Dank.

      Herzlichst,
      Denise

      PS: Unbedingt Melanie’s Blog „Honigperlen.at“ besuchen! Ganz große Klasse! 🙂

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